Fundtierunterkunft 38820 Halberstadt Spiegelsberge 4

Tägliche Öffnungszeiten

Montag bis Freitag

8.00 - 11.00 Uhr

14.00 - 16.00 Uhr

Achtung - unterschätzen Sie nicht die Gefahr!!!!


Stopp dem illegalen Welpenhandel !

(wha) Es ist das vom Deutschen Tierschutzbund und seinen Mitgliedsvereinen ausgerufene Leitmotto zum 4. Oktober 2015, dem Welttierschutztag. Die Tierschützer machen damit auf das immense Leiden der Hundewelpen und deren Muttertiere aufmerksam. Das Geschäft mit den Wehrlosen blüht, die Welpen-Mafia versucht schnelles Geld zu machen. Die Slowakei, Tschechien, Polen, Rumänien, aber auch Belgien und die Niederlande gehören zu den Ländern mit kommerziellen Hundezuchten. Von dort gelangen die Welpen in den Verkauf, auch nach Deutschland.

Auch in Halberstädter Tierarztpraxen werden Welpen vorgestellt, die aus dem Ausland kommen und nicht gesund sind, hören wir von Halberstädter Tierärzten. Es sind Welpen, die auf der Straße, aus dem Kofferraum, über das Internet oder auf Tiermärkten gekauft wurden. Im Großraum Berlin werden per Annonce Welpen gefragter Moderassen, z. B. Französische Bulldoggen, angeboten, die für 35.- Euro aus Polen mitgebracht wurden und in Deutschland für „nur“ 500.- Euro verkauft werden. Wo der Hund wirklich herkommt, bleibt da unklar. Meistens gibt es zu ihm keine oder gefälschte Begleitpapiere, meistens wurden die Tiere nicht geimpft und entwurmt. Durch den Stress der oft viel zu frühen Trennung von der Mutter und die langen Transportfahrten, oft ohne Wasser, wurde das Immunsystem der Welpen so geschwächt, dass Verhaltensprobleme, schwere Erkrankungen oder Tod die Folge sind. Bei Rückfragen merken die Leute, dass die Händler unter der angegebenen Adresse oder Telefonnummer nicht mehr zu erreichen sind. Sie sind einer Bande von Hundehändlern aufgesessen. Für diese haben Tiere einen Preis und keinen Wert.
Aber auch vom deutschen „Züchter“ vor Ort gekaufte Welpen stammen nicht immer von der dort vorgezeigten Hundemutter. Im Büro des Tierschutzvereins Halberstadt wurde so ein Fall bekannt und Recherchen ergaben, dass die bei dem „seriösen Züchter“ als Gebärmaschine missbrauchte Hündin gar nicht so viele Welpen auf die Welt bringen konnte, wie sie bei ihm vorrätig waren. Es wurde Strafantrag gestellt.
Der Deutsche Tierschutzbund kämpft seit Jahren gegen den illegalen Welpenhandel, er unterstützt die Ermittlungen der Behörden und klärt auf, und er fordert eine verbindliche Gesetzgebung, die Zucht und Handel regelt. „ Bisher sind Welpentransporte eher Zufallsfunde, etwa bei Drogenkontrollen im Schwerpunkt auf den Grenzautobahnen zu Osteuropa. Hunde, aber auch Katzen werden bei den gestoppten Tiertransporten vorgefunden. Wir wollen gezielte Kontrollen mit mehr Personal, zum Beispiel durch eine SOKO Hundehandel, und härtere Strafen für alle, die an diesem unseriösen Geschäft mitverdienen“ erklärt der Deutsche Tierschutzbund.
„Zum Glück haben wir auch Welpen aus dem Ausland in unserer Praxis, zum Beispiel aus Ungarn, die vorbildlich geimpft und entwurmt sind und mit Chip eine eindeutige Kennzeichnung haben“, sagt dazu die Halberstädter Tierärztin Kathrin Schlör.

Der Tierschutzverein Halberstadt e.V. appelliert: Kaufen Sie keine Tiere aus dem illegalen Welpenhandel, unterstützen Sie nicht skrupellose Geschäftemacher im Ausland, die in „Zuchtfabriken“ in großem Stil Welpen produzieren.

GENERALANZEIGER HALBERSTADT, 4. 10. 2015


Schutz für Igel in Herbst und Winter

Aktuell sind viele Igel in Gärten und Parks auf Nahrungssuche unterwegs, um sich eine ausreichende Fettschicht für den Winterschlaf anzufressen. Der Deutsche Tierschutzbund warnt vor falsch verstandener Tierliebe, wenn Tiere frühzeitig in menschliche Obhut genommen werden. Nur Igel, die wirklich krank, verletzt oder bei Wintereinbruch stark untergewichtig sind, brauchen Hilfe von Fachleuten. Mit einem igelfreundlichen Garten oder durch Zufütterung kann dagegen jeder helfen, Igel sicher über den Winter zu bringen.

Sofern Igel nicht verletzt oder augenscheinlich krank erscheinen bzw. stark von Parasiten, wie Flöhen, Zecken oder Fliegenlarven, befallen sind, sind sie draußen in ihrer natürlichen Umgebung am besten aufgehoben. „Daher sollte man Igel, die auch tagsüber unterwegs sein können, zunächst beobachten“, rät James Brückner, Referent für Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund. „Hilfsbedürftige Igel erkennt man daran, dass sie abgemagert erscheinen oder sich apathisch verhalten. Bevor ein Igel aber vorschnell in Pflege genommen wird, sollten Igelfreunde zunächst beim Tierarzt oder örtlichen Tierschutzverein um fachlichen Rat fragen.“

Nahrung und Rückzugsmöglichkeiten für den Winterschlaf Igelmännchen beginnen je nach Witterung ab Anfang Oktober mit dem fünf- bis sechsmonatigen Winterschlaf. Es folgen die Weibchen, die nach der Jungenaufzucht noch mehr Energie aufnehmen müssen. Jungigel ziehen sich noch später – etwa Anfang November – zurück. Bis dahin müssen sie sich ausreichend Fettreserven, bis zu einem Gesamtgewicht von mindestens 500 Gramm anfressen, damit sie ihren ersten Winter überstehen. Liegt in Gärten und Parks genügend heruntergefallenes Laub, finden sie meist ausreichend zu fressen. Für junge Igel kann eine Zufütterung sinnvoll sein. Geeignet ist Katzendosenfutter, gemischt mit Haferflocken oder Weizenkleie. Zudem sollte den Tieren Wasser angeboten werden. Milch und Essensreste sind dagegen nicht artgerecht und können den Tieren sogar ernsthaft schaden.

Wichtig für den Winterschlaf sind außerdem igelfreundliche Gärten, in denen es neben Nahrung auch genügend Rückzugsmöglichkeiten gibt. Komposthaufen, aber auch Reisig- oder Blätterhaufen bieten ein ideales Quartier für den Winterschlaf und werden daher am besten liegen gelassen. Wer sich dennoch entschließt, heruntergefallenes Laub zu entfernen, sollte am besten zu Rechen oder Harke greifen. Laubbläser entfernen neben dem Laub auch Insekten und Weichtiere in großem Ausmaß – eine wichtige Nahrungsquelle für Igel. Bei Laubsaugern besteht sogar die Gefahr, dass sie kleinere Igel einsaugen und töten.

Mehr Informationen zum Igelschutz in einem aktuellen Artikel des Mitgliedermagazins DU UND DAS TIER: www.duunddastier.de/ich-bin-dann-mal-weg Bildmaterial Copyright Bildmaterial: Deutscher Tierschutzbund e.V./Ehrhardt


Richtig helfen bei jungen Wildtieren

Gerade jetzt in den Frühlingsmonaten können in Parkanlagen, auf Wiesen, am Strand und im Wald oder aber im eigenen Garten Jungtiere heimischer Tierarten beobachtet werden. Der Deutsche Tierschutzbund weist jedoch darauf hin, dass dieser tierische Nachwuchs nur selten die Hilfe des Menschen benötigt. In Zweifelsfällen sollte fachkundiger Rat eingeholt werden, denn eine unnötige Aufnahme schadet dem Tier. Der Deutsche Tierschutzbund, aber auch die örtlichen Mitgliedsvereine, können beraten.

Wer ein Jungtier findet, sollte es zunächst nicht anfassen, sondern nur in einem ausreichenden Abstand beobachten. In der Regel findet das Junge wieder zur Mutter – oder umgekehrt. Der überwiegende Teil der gefundenen Jungtiere benötigt keine menschliche Hilfe, sondern ist in der Natur besser aufgehoben. Nackte Jungvögel, die aus dem Nest gefallen sind, sollten allerdings zurückgesetzt werden.

Befiederte Jungvögel, die noch nicht fliegen können, aber als so genannte Nestflüchter am Straßenrand herumhüpfen, können vorsichtig an einen sicheren Ort in der Nähe gebracht werden – beispielsweise ein abseits der Straße gelegenes Gebüsch. Dabei ist darauf zu achten, dass der Jungvogel in direkter Nähe zum Fundort bleibt. Vögel stören sich nicht am menschlichen Geruch, so dass die Jungtiere nach dem Umsetzen weiter von Alttieren versorgt werden. Auch bei den meisten Säugetieren stellt der menschliche Geruch keinen Grund für die Elterntiere dar, die Jungtiere nicht weiter zu versorgen – Rehkitze oder Hasen, die besonders oft eingesammelt werden, können auch noch nach bis zu 48 Stunden nach Aufnahme zurückgebracht werden. Dabei sollte fachkundiger Rat, z. B. beim Tierschutzverein, eingeholt werden.

Prinzipiell aber gilt: Ist ein Jungtier eindeutig nicht in der Lage – auch nicht durch eine eventuelle Zufütterung vor Ort – allein zu überleben, ist rasche Hilfe notwendig und richtig. Allerdings sollten sich keinesfalls Laien daran versuchen, ein Jungtier zu päppeln oder ein offensichtlich krankes Tier zu behalten. Vielmehr sollte sofort eine spezielle Auffangstation für Wildtiere kontaktiert werden, die das Tier aufnehmen kann. Die Aufzucht in Menschenhand ist allerdings immer die Notlösung. Auch die Auswilderung der Tiere muss so vorgenommen werden, dass die Tiere eine reelle Chance haben, um sich in freier Natur zu behaupten. In keinem Fall sollten Wildtiere dauerhaft in Privathaushalten bleiben. Dies ist im Übrigen auch gemäß Natur- und Artenschutzgesetzgebung untersagt.

Das Tier-, Natur- und Jugendzentrum des Deutschen Tierschutzbundes in Weidefeld (Schleswig-Holstein) dient unter anderem als Auffangstation für beschlagnahmte Heimtiere und verletzte oder verwaiste Wildtiere. Dort kümmert man sich professionell um solche tierischen „Problemkinder“.


Für eine tierfreundliche Regierungspolitik!

Forderungen des Deutschen Tierschutzbundes zu den Sondierungsgesprächen und möglichen Koalitionsverhandlungen

Der Schutz von Tieren nimmt bei den Bürgerinnen und Bürgern einen immer höheren Stel-lenwert ein. Dementsprechend fehlt es auch in Grundsatz-, Wahl- oder Regierungsprogram-men von Union und SPD längst nicht mehr an Verweisen und Bekenntnissen zum Tierschutz. Allerdings – und das ist auch die Einschätzung, die wir in den vergangen Monaten von vielen tierschutzinteressierten Wählerinnen und Wählern erhalten haben - fehlt es an der prakti-schen Umsetzung. Das Staatsziel Tierschutz, das 2002 mit breiter Unterstützung in Politik und Gesellschaft im Grundgesetz verankert wurde, muss endlich konkret verwirklicht werden.

Wir fordern CDU/CSU und SPD dringend auf, konkrete Tierschutzvorhaben und -leitlinien, wie wir sie im Folgenden zusammengefasst haben, im Koalitionsvertrag zu verankern und in den kommenden vier Jahren sukzessive zu verwirklichen. Darüber hinaus muss es gelingen, den Tierschutz auch auf EU-Ebene konsequent fortzuentwickeln und Deutschland wieder zum Schrittmacher für den Tierschutz in Europa zu machen.

Neufassung des Tierschutzgesetzes

Die politisch Verantwortlichen können noch immer kein Tierschutzgesetz vorweisen, mit dem das Staatsziel Tierschutz in der Praxis zu verwirklichen ist. Auch das geänderte Tierschutzge-setz des Jahres 2013 bringt keinen Fortschritt. Es setzt die EU-Versuchtierrichtlinie vom Sep-tember 2010 allenfalls auf niedrigem Niveau um und regelt kaum eines der drängenden Prob-leme aus anderen Tierschutzbereichen so wie es das Staatsziel verlangt. Es ist unabdingbar, dass nun eine grundlegende, staatszielkonforme Neufassung des Tierschutzgesetzes erfolgt, die Gewähr bietet, dass mit den Tieren in diesem Land tatsächlich tiergerecht umgegangen wird.

Tierschutz-Verbandsklage

Ein zentrales Element zur Umsetzung des Staatsziels Tierschutz ist die Einführung der Tier-schutz-Verbandsklage. Tiernutzer können gegen Behördenentscheidungen einsprechen und ggf. klagen. Auf Seiten des Tierschutzes gibt es keine vergleichbaren Rechtsbehelfe. Nur ein Klagerecht für seriöse Tierschutzorganisationen schafft hier einen gewissen Ausgleich zwi-schen Tiernutzern, Behörde und den zu schützenden Tieren. Sie ändert nichts an der Entschei-dungshoheit der Behörden, aber sie trägt dazu bei, dass die Tierschutzbelange im Verwal-tungsverfahren oder bei der Auslegung unbestimmter Rechtsbegriffe ebenso einfließen wie die Ansprüche der Tiernutzer.

Tierversuche

In Forschung und Medizin muss ein Paradigmenwechsel erfolgen, um eine Forschung ohne Tierleid durchzusetzen. Dies setzt auch bei den Regierungsparteien ein echtes, Ernst gemein-tes Engagement für die tierversuchfreie Forschung voraus. Wir brauchen einen klaren Förder-auftrag im Tierschutzgesetz und eine Strategie mit konkreten Maßnahmen zur mittelfristigen Abschaffung von Tierversuchen. Insgesamt muss eine kohärente Politik zur Vermeidung von Tierversuchen erfolgen. Alle Gesetze und Vorschriften, in denen Tierversuche noch verbindlich sind, etwa zur Produktprüfung, müssen geprüft und auf den Einsatz tierversuchfreier Verfah-ren ausgerichtet werden.
Daneben sind strukturelle Veränderungen erforderlich, um die tierversuchfreie Forschung materiell zu stärken und deren Reputation in Politik, Gesellschaft und Wissenschaft zu för-dern. Die Arbeit von Einrichtungen wie der „Zentralstelle zur Erfassung und Bewertung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch (ZEBET) beim Bundesinstitut für Risikobe-wertung (BfR) muss gesetzlich abgesichert und gestärkt werden, so dass ZEBET als nationales Kompetenzzentrum zum Beispiel auch zur Unterstützung der Genehmigungsbehörden fungie-ren kann. Der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) als zentrale Einrichtung zur Vertei-lung staatlicher Forschungsmittel muss aufgetragen werden, bevorzugt Forschungsprogram-me, die ohne die Verwendung von Tieren auskommen und solche, die speziell auf die Entwick-lung von Alternativmethoden abzielen, zu fördern.

Tiere in der Landwirtschaft

Tiere in der Landwirtschaft müssen endlich vor wirtschaftlich motivierten Massentötungen, wie etwa der Tötung männlicher Eintagsküken, geschützt werden. Dazu muss der Gesetzgeber auch auf Zuchtprogramme hinwirken, die auf gesunde, ausgeglichene Mehrnutzungstiere abzielen und jede Diskussion über geschlechtspezifische Selektion ebenso ausschließen wie über das Vorliegen einer Qualzuchtform. Auch Einfuhrverbote für qualgezüchtete Masttiere dürfen nicht länger tabu sein.
Käfige, Engaufstallung und Anbindehaltung müssen ebenso der Vergangenheit angehören wie eintreulose Haltungen. Die Ausübung des arteigenen Verhaltensrepertoires muss sicherge-stellt werden. Verstümmlungen zur Anpassung an das Haltungssystem müssen schnellstmög-lich unterbunden werden. Keinesfalls können schmerzhafte Eingriffe ohne Betäubung gedul-det werden. Die betäubungslose Ferkelkastration, zu der es erprobte und leicht verfügbare Alternativen gibt, ist umgehend zu verbieten.
Die Höchstdauer von Tiertransporten im Inland darf max. 4 Std. betragen. Transportbedingun-gen, wie zu niedrige Deckenhöhen, Betreuung der Tiere und Kontrollen müssen insgesamt korrigiert und verbessert werden. Beim Schlachten ist unter anderem sicherzustellen, dass die Tiere keine Angst verspüren und ordnungsgemäß betäubt werden. Das Akkordschlachten ist zu verbieten. Auch in der Fischereiwirtschaft darf es keine Ausnahmen von der Betäubungs-pflicht geben. Ebenso muss das Lebendangebot von Fischen und Krustentieren im Handel verboten werden oder das Töten von Krustentieren durch das Werfen in kochendes Wasser.
Betriebe, die tiergerecht wirtschaften oder auf tiergerechte Haltungs– und Wirtschaftformen umstellen wollen, müssen in Deutschland besser als bisher gefördert und unterstützt werden. Die Wahlmöglichkeiten der Verbraucher müssen durch eine gesetzliche Tierschutz-Kennzeichnung gestärkt werden. Auch auf EU-Ebene muss darauf hingewirkt werden, dass der Tierschutz umfassend berücksichtigt und insbesondere im Rahmen der EU-Agrarpolitik (GAP) gezielt voran gebracht wird. Heimtiere

Den Heimtierschutz hat der Gesetzgeber bislang kaum konkretisiert. Dies muss grundlegend nachgeholt werden. Zu regeln sind insbesondere die Bereiche Kennzeichnung und Registrie-rung sowie Haltung, Ausbildung, Zucht und Handel.
Der Schenkelbrand bei Pferden, also Verbrennungen aus rein wirtschaftlichen Gründen, ist umgehend zu verbieten.
Um dem Aussetzen vorzubeugen und entlaufene Tiere besser wiederfinden zu können, müs-sen insbesondere Hunde und Katzen verpflichtend per Mikrochip gekennzeichnet und regis-triert werden. Bei Heimkatzen mit Freigang ist zudem eine Kastrationspflicht erforderlich. Nur so kann der Vermehrung freilebender Katzen und den damit verbundenen Tierschutzprob-lemen wirksam begegnet werden kann. Schließlich müssen auch und gerade im Heimtierbe-reich die gesetzlichen Zugriffmöglichkeiten für die Behörden verbessert werden, um zum Beispiel in Fällen des Animal Hoarding schnell und gezielt eingreifen zu können. Wildtiere

Der Schutz von Tieren in und aus der Natur muss ebenfalls grundlegend verbessert werden. Bei allen Maßnahmen, die zur Gestaltung gesellschaftlicher Großprojekte wie der Energie-wende ergriffen werden, sind die Tier- und Naturschutzbelange konkret zu berücksichtigen. Die Haltung von Wildtieren in Menschenhand muss strikt eingeschränkt werden - sei es im Privathaushalt, in der (Land-) Wirtschaft oder im Zirkus. Um Tiere wildlebender Arten ggf. beschlagnahmen und anderweitig unterbringen zu können, muss ein flächendeckendes Netz geeigneter Auffangstationen geschaffen werden. Das Kreuzen von Wild- und Haustieren (Hybridzucht) ist zu verbieten.
Ähnlich wie das Tierschutzgesetz muss auch das Bundesjagdgesetz neu gefasst werden. Die Bundesstaatsreform entbindet den Bundesgesetzgeber nicht davon, das veraltete Jagdgesetz als bundeseinheitliches Rahmenrecht an die heutigen Erfordernisse anzupassen. Den Aspekten von Ökologie, Nachhaltigkeit und tierschutzgerechtem Wildtiermanagement muss Rechnung getragen werden. Es gilt die Tiere zu schützen und nicht das Gutsherrenrecht, die Tiere zu bejagen. Der Abschuss von Hunden und Katzen ist zwingend zu unterbinden.

Praktischer Tierschutz vor Ort

Die Durchführung des Tierschutzgesetzes ist eine staatliche Pflichtaufgabe. Auch der karitati-ve Tierschutz gehört dazu. Übernommen wird diese Aufgabe aber im Wesentlichen nicht von staatlichen Stellen sondern von den örtlichen Tierschutzvereinen und deren Tierheimen. Sie erfüllen damit eine wichtige Funktion in der Gesellschaft. Um zumindest eine kostendecken-de Erstattung dafür sicherzustellen, bedarf es eines bundesweit einheitlichen Rahmens, den der Bund mit den Ländern und Kommunen aushandeln muss. Der Bund ist zwar nicht unmit-telbar für den Vollzug des Tierschutzes vor Ort verantwortlich, aber er muss die Rahmenbe-dingungen dafür schaffen, dass dieser Vollzug gelingen kann. Im Interesse von Mensch und Tier sollten auch Halter, die Grundsicherung für Arbeitsuchende (ALG II) erhalten, angemessen unterstützt werden. Quelle: Deutscher Tierschutzbund e.V.



Juli 20015

Katzenschutzverordnung jetzt!

Die "Volksstimme" Halberstadt hatte zu einer Vorstellung der OB Kandidaten für Halberstadt am 22. August zu 18.00 Uhr in den Ratssaal eingeladen. Redakteurin Sabine Scholz moderierte den Abend. Fragen an die Kandidaten konnten bei ihr vorher schriftlich eingereicht werden. Der Tierschutzverein machte davon Gebrauch:

Vorbemerkung:
Seit mehreren Jahren nimmt das Katzenelend frei lebender Katzen in Deutschland rapide zu, Katzen verelenden, Seuchen breiten sich aus, Welpen werden zum Überleben in Tierheimen abgegeben, durchschnittlich beherbergen Tierheime 220 Katzen pro Jahr.

Der Deutsche Tierschutzbund hat Frau Ministerin Aigner den Entwurf einer Katzenschutzverordnung übermittelt. Er enthält Vorgaben für die Haltung von Katzen und auch Vorschläge, wie die unkontrollierte Vermehrung und eine weitere Verschlimmerung des Katzenelends auf den Straßen verhindert werden können. Der Tierschutzbund und die ihm angeschlossenen Tierschutzvereine schlagen eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für alle frei laufenden Katzen vor, die als Vorschriften in die Kommunalverordnungen aufgenommen werden.

Gute Erfahrungen gibt es dazu seit 2008 in der Stadt Paderborn. Inzwischen haben über 120 Kommunen ihre Kommunalverordnung entsprechend ergänzt. Die Stadt Jena gehört dazu.

Auch in Halberstadt gibt es ein bereits gravierendes Katzenproblem. Der Tierschutzverein mit seinem Katzenhaus in der Fundtierunterkunft versucht, mit finanzieller Unterstützung durch die Stadt, zu tun, was möglich ist - das ist aber längst nicht genug.

Frage an die vier OB Kandidaten:
Wenn Sie als Oberbürgermeister gewählt werden, werden Sie sich dafür einsetzen, dass die Kommunalverordnung in Halberstadt um eine Katzenschutzverordnung ergänzt wird?

Dazu:

Andreas Henke:
In Halberstadt sieht er derzeit kein ernstes Katzenproblem, ihm selber laufen, ausgenommen der Domkater, keine Katzen über den Weg... Er ist überfragt, wir sollten uns austauschen. Ja oder Nein zu sagen, fällt ihm heute schwer.

Volkmar Hofmann:
Dazu käme dann auch noch das Fuchsproblem... Potentielle Gefahr ging ja von Hunden aus... Aber auch um Katzen muss man sich mehr kümmern...

Peter Köpke:
Er weiß von den Problemen. Wenn es nötig ist und auch bezahlbar, wird er sich darum kümmern.

Daniel Szarata:
Das ist ein wichtiges Thema. Er würde sich für eine Katzenschutzverordnung einsetzen. Doch wenn es dann Geld kostet, wird es schwierig. Die Stadtverwaltung soll prüfen, ob es bezahlbar ist...


Deutsche Städte werden vegetarisch

Vegetarisch kommt an und ganze Städte ziehen mit.

Die belgische Stadt Gent hat es 2009 vorgemacht, Weltstädte wie São Paulo, Kapstadt, Washington und San Francisco folgten und Bremen setzte in Deutschland den Startschuss. Jetzt haben 21 Städte in Deutschland den “Veggietag” eingeführt. Die Kampagne stößt weltweit auf positive Resonanz und zeigt, wie man mit nur wenig Aufwand und einem einzigen fleischfreien Wochentag zum Schutz von Klima, Umwelt und Tieren beitragen kann. Vom Vegetarierbund Deutschland (VEBU) wird die Kampagne bundesweit unterstützt.

Der Karlsruher Bürgermeister Klaus Stapf begrüßt die Freiwilligkeit, die mit dem “Veggietag” verbunden ist: “Die Kampagne kommt ganz ohne den erhobenen Zeigefinger aus. Sie schafft Angebote, überlässt die Wahl aber jedem einzelnen.” Auch Reinhard Buchhorn, Oberbürgermeister von Leverkusen, sieht in der Aktion einen klaren Vorteil: “Immer mal wieder auf Fleisch zu verzichten, ist aktiver Klimaschutz.”

Städte, die den “Veggietag” bereits umsetzen, sind Bremen, Magdeburg, Schweinfurt, Wiesbaden, Deggendorf, Landkreis Rotenburg, Klimainsel Juist, Bad Hersfeld, Freiburg, Hannover, Dinslaken, Düren, Köln, Münster, Straubing, Ingolstadt, Rottal-Inn, Paderborn, Leverkusen und Leer. In diesen Tagen wird in Iserlohn (21.07.) und Bamberg (28.07.), als 23. Stadt, der “Veggietag” eingeführt.

Aber nicht nur Städte, auch immer mehr Unternehmen machen sich für den fleischfreien Donnerstag stark, wie beispielsweise Puma, Siemens, die Versicherungskammer Bayern sowie eine wachsende Zahl an Schulen und Universitäten in Köln, Hamburg, Berlin, Dresden, Leipzig, Tübingen u. v. m.. “Ein Veggietag in der Woche ist für jeden machbar, das zeigen die Städte und Unternehmen, die einen vegetarischen Wochentag erfolgreich in die Praxis umsetzen”, sagt VEBU-Geschäftsführer Sebastian Zösch.: “Wenn alle Bundesbürger nur einen einzigen fleischfreien Tag in der Woche einlegen, werden pro Jahr 140 Millionen Tiere weniger gegessen und die Treibhausgase von sechs Millionen Autos eingespart.”

Die “Donnerstag ist Veggietag”-Kamapgne ist ein Rundumprogramm. Der VEBU bietet ein Aktionsvideo, ein “Veggietag”-Kochbuch, Kochschulungen, Informationsmaterial u.v.m. Alle Infos finden Sie auf der Aktionsseite www.donnerstag-veggietag.de.

Die Kampagne wird neben dem Vegetarierbund Deutschland (VEBU) auch von der Albert Schweitzer Stiftung (ASS), Plant for the Planet, Global Marshall Plan, SIFE, Institut für Theologische Zoologie, Vier Pfoten, sneep - Studentisches Hilfswerk für Wirtschafts- und Unternehmensethik, Peta und Oxfam Deutschland betrieben.

Publiziert am Freitag, 20. Juli 2012 07:20 von Sebastian Zösch




Urlaubszeit – Leidenszeit für Tiere und Tierheime

In vielen Bundesländern sind die ersten Urlaubswellen bereits gestartet, in fünf weiteren beginnen die Sommerferien die nächsten Tage. Für viele Tierheime bedeutet diese Zeit eine enorme Belastung: Vermehrt werden Tiere ausgesetzt oder direkt in den Tierheimen abgegeben. Viele Tiere kommen ins Tierheim, weil verantwortungslose Halter das Haustier bei der Urlaubsplanung nicht berücksichtigen oder auch konkret die Vorbereitungen bei EU-Auslandsreisen wie den EU-Heimtierausweis nicht rechtzeitig geplant haben. Studien belegen diesen deutlichen Anstieg, der die ohnehin an ihren Kapazitätsgrenzen arbeitenden Tierheime vor große Herausforderungen stellt. Der Deutsche Tierschutzbund bietet konkrete Hilfestellungen und Beratungsangebote, damit rund um das Thema Tier und Urlaub alles reibungslos klappt.

„Tierhalter zu sein, bedeutet Verantwortung zu haben. Und die kann man nicht während der Urlaubszeit einfach abgeben. Daher ist eine rechtzeitige Urlaubsplanung wichtig“, so Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Ausgesetzte Katze in Bottrop, an einer Mülltonne angebundener Hund in Heppenheim, vermehrte Abgabe exotischer Tiere in Erfurt – diese Urlaubs-Opfer hatten noch Glück: Sie wurden gefunden oder direkt in die Obhut der dem Deutschen Tierschutzbund angeschlossenen Tierheime gegeben. Gerade in den Sommerwochen steigen die Tierabgaben und die Zahl ausgesetzter Tiere hauptsächlich urlaubsbedingt stark an. Dabei ist das Aussetzen von Tieren kein Kavaliers-delikt, sondern eine Ordnungswidrigkeit. Eine Strafe bis zu 25.000 Euro kann verhängt werden.

Für die Tierheime ist die Sommerzeit immer eine traurige Hochsaison. Schon vor Beginn der Reisezeit sind die Kapazitätsgrenzen vielerorts erreicht, die Ferienopfer als Neuzugänge eine große Zusatzbelastung. Allein in den wenigen Sommerwochen werden 70.000 Tiere neu in den Tierheimen aufgenommen. „Wir appellieren an alle Tierfreunde, sich im örtlichen Tierheim zu erkundigen, wie geholfen werden kann. Und wer sich für die Aufnahme eines Tieres in die Familie entschlossen hat, sollte gerade jetzt zuerst ins Tierheim gehen. Da warten viele auf ein neues Zuhause“, ergänzt Schröder.

Mit der Aktion „Nimmst du mein Tier, nehm’ ich dein Tier“ gelingt es vielfach, auch kurzfristig „Tiersitter“ für die Urlaubszeit zu finden. Unter dem Urlaubs-Beratungstelefon 0228-60496-27 bekommen Tierhalter (Mo-Do von 10-17 Uhr; Fr 10-16 Uhr) auch Informationen für die konkrete Reiseplanung. Der Verband rät zudem allen Tierfreunden, ihr tierisches Familienmitglied kennzeichnen und anschließend direkt kostenlos beim Deutschen Haustierregister www.registrier-dein-tier.de eintragen zu lassen. Viele weitere Infos unter: http://www.tierschutzbund.de/urlaubs-hilfe_tiere.html

In der aktuellen Ausgabe du und das tier widmet sich der Leitartikel den zahlreichen Herausforderungen, die die Tierheime zu bewältigen haben:

http://www.tierschutzbund.de/du-und-das-tier_3-20120.html. Journalisten, die das Magazin regelmäßig beziehen möchten, wenden sich bitte an die Pressestelle.




Aigner-Entwurf zum Tierschutzgesetz im Kabinett

Am 23. Mai bringt Bundesministerin IIse Aigner ihre Vorschläge zur Änderung des Tierschutzgesetzes in das Kabinett ein. Notwendig wurde die Änderung des Tierschutzgesetzes. da die EU-Tierversuchsrichtlinie bis Ende 2012 in nationales Recht umgesetzt werden muss. In dem Zuge hat das Bundesministerium weitere Einzelthemen aufgegriffen. Dazu gehört u. a. das Verbot des Schenkelbrandes bei Pferden. das Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration ab 2017 und die Präzisierung des sogenannten Qualzuchtparagrafen. Nach vorliegenden Informationen plant die Bundesministerin zudem noch kurzfristig. Regelungen, zum Verbot von einzelnen Wildtierarten, mit Ausnahme der Elefanten. für Zirkusbetriebe aufzunehmen. Auch wenn Einzelschritte zu begrüßen sind: Mit ihren aktuellen Vorschlägen bleibt die Ministerin bisher weit hinter den tierschützerischen Notwendigkeiten .zurück. stellt der Deutsche Tierschutzbund fest.

"Die wenigen Tierschutzthemen, die IIse Aigner ins Gesetzesverfahren einbringt. reichen bei Weitem nicht aus. Das ist besonders dramatisch angesichts der Tatsache, dass wir seit zehn Jahren ein Staatsziel Tierschutz haben und daraus folgende Konsequenzen bisher noch nicht durchgreifend in Gesetze eingearbeitet wurden", erklärt Thomas $chröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes zu der Kabinettsvorlage aus dem Bund eslandwirtschaftsm inisterium.

So sei bei der Umsetzung der EU-Tierversuchsrichtlinie noch .genügend Spielraum für eine Verschärfung des Gesetzes und der ausführenden Verordnung. Europas größte Tier- und Naturschutzorganisation bemängelt u. a., dass es nicht einmal eine Vorrangs-Zielbestimmung zur Förderung alternativer, tierversuchsfreier Verfahren gibt, obwohl dies auf Basis der' EU-Verordnung möglich gewesen wäre. Die Regierungskoalition hat sich in ihrem Koalitionsvertrag sogar noch ausdrücklich für Alternativen ausgesprochen. "Die christlich-liberale Koalition stellt den Tierschutz, die Mitgeschöpflichkeit hinter den Forscher-Ehrgeiz zurück~ Das entspricht nicht dem Staatsziel im Grundgesetz", so Schröder.

Positiv bewertet der Verband allein das angestrebte' Verbot des Schenkelbrandes. Die klarere Fassung des Qualzuchtverbotes ist zu begrüßen. hier fehlt aber eine konkrete Auflistung von Merkmalen, die unter die Verbotsbestimmung fallen, bleibt der Aigner-Vorschlag unkonkret. Damit ist dieser Paragraf in der Anwendung kaum vollzugsfähig. Zum Thema unbetäubte Ferkelkastration enthält der Gesetzesentwurf zwar den Hinweis, dass es längst Alternativen gibt, aber trotzdem soll der grausame Eingriff noch bis 2017 erlaubt sein. Auch das angekündigte Verbot der Kleingruppenkäfige für Legehennen ist gescheitert, weil die Bundesministerin die Umsetzung einer entsprechenden Bundesratsentscheidung verweigert.

"Wir setzen darauf. dass es im nun folgenden parlamentarischen Verfahren im Deutschen Bundestag und auch in der Länderkammer eine Mehrheit von Tierfreunden gibt, die diesen derzeit stotternden Motor wieder auf Fahrt bringen. Es muss gelingen, weitere Verbesserungen durchzusetzen", hofft Thomas Schröder.

Mehr Informationen zu einer aus Sicht des Tierschutzes umfassenden Tierschutzgesetz-Novellierung finden Sie hier: http://www.tierschutzbund.de/fileadmin/mediendatenbank_free/Stellungnahmen/Eckpunktepapier_Novellierung_Tierschutzgesetz_110901.pdf






Neue Tierversuchsgesetzgebung: Tierschutzorganisationen präsentieren Rechtsgutachten und appellieren an Merkel und Kabinett

Sechs Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen haben angesichts der Kabinettssitzung am 23.05., in der u. a. der Entwurf eines Dritten Gesetzes zur Änderung des Tierschutzgesetzes auf der Tagesordnung steht, ein Rechtsgutachten vorgelegt, das auf massiven Handlungsbedarf der Bundesregierung hinweist. Demnach sind einige der neu vorgesehenen Vorschriften richtlinienwidrig und müssen, wenn nicht ein Verstoß gegen das Unionsrecht in Kauf genommen werden soll, abgeändert werden. Bei anderen Vorschriften hält das Gutachten Änderungen aus Gründen der Rechtssicherheit und zur Verwirklichung des verfassungsrechtlichen Staatsziels Tierschutz (Art. 20a GG) für notwendig.

Der Gesetzesentwurf soll unter anderem die novellierte Tierversuchsrichtlinie der Europäischen Union umsetzen. Daher haben sich die größten Tierschutzorganisationen Deutschlands zusammengeschlossen. Der Deutsche Tierschutzbund, der Bund gegen Missbrauch der Tiere, die Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutzrecht, der Bundesverband Tierschutz, Ärzte gegen Tierversuche und Menschen für Tierrechte möchten mittels eines Rechtsgutachtens über zentrale Fragen rechtswissenschaftlich fundierte Klarheit erlangen. Dieses wurde bei der anerkannten Hochschullehrerin für Völker- und Staatsrecht, Frau Prof. Dr. iur. Anne Peters, LL.M., Ordinaria für Völkerund Staatsrecht an der Universität Basel, beauftragt.

In einem Schreiben an Kanzlerin Merkel und die zuständigen Minister weisen die Organisationen unter anderem darauf hin, dass Deutschland entgegen Vorgaben der EU-Richtlinie Tierversuche nicht konsequent verbietet, wenn diese starke Schmerzen, schwere Leiden oder schwere Ängste verursachen, die voraussichtlich lang anhalten. Die halbherzige Umsetzung von Verboten von Tierversuchen an Menschenaffen und anderen Primaten missachtet das im Deutschen Grundgesetz verankerte Staatsziel Tierschutz. Letzteres verlangt auch dringend Nachbesserungen bei der sogenannten ethischen Abwägung der Gründe für die Durchführung von Tierversuchen. Hierbei muss dem Tierschutz erheblich mehr Gewicht verliehen werden, als bisher. Die zuständigen Behörden müssen außerdem gesetzlich mit den notwendigen Kompetenzen ausgestattet werden, um sich anders als in der Vergangenheit vor gerichtlichen Auseinandersetzungen mit Wissenschaftlern schützen zu können.

„Wir appellieren an Sie, dass bei den weiteren Beratungen und Entscheidungen über das novellierte Tierschutzgesetz und die neue Tierversuchsverordnung alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, damit zehn Jahre nach Einführung des Staatsziels Tierschutz diesem vollumfänglich Rechnung getragen wird“, so die Organisationen in ihrem Schreiben an die Kanzlerin und ihre Minister.




Streuner und Tierschutz

Im Jahr 2003 gab es in Europa geschätzte 41 Millionen Hunde, 2010 waren es bereits 56 Millionen Hunde.

Das zeigt einen klaren Trend. Von diesen, aktuell vielleicht 60 Millionen Hunden, leben nicht alle in glücklichen Familien. Viele der Vierpföter fristen ihr Leben als Straßenhunde – nun hat man sich offiziell dieser Problematik angenommen: „Carodog“ wurde gegründet. Betrieben wird „Carodog“ (Companion Animal Responsible Ownership) von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten und einem Institut für Tiergesundheit im italienischen Teramo. die EU-Kommission in Brüssel unterstützt die Initiative. Vier Pfoten hat bereits 2008 dieses Problem auf europäischer Ebene thematisiert. Am 7. und 8. Oktober 2008 veranstaltet die internationale Tierschutzorganisation VIER PFOTEN gemeinsam mit dem österreichischen Bundesministerium für Gesundheit, Familie und Jugend die zweite EU-Konferenz zum Tierschutz. Im Mittelpunkt der zweitägigen Konferenz stand die Problematik der Streunerhunde.

Streunerhunde sind vor allem in Süd- und Osteuropa ein großes Problem. Aus politischen und wirtschaftlichen Gründen wurden Hunde über Jahrzehnte ausgesetzt oder zurückgelassen, wenn die Besitzer vom Land in die Städte gezogen sind. Die Hunde kämpften ums Überleben, vermehrten sich rasant und wurden Opfer von Krankheiten und Seuchen. Man muss in diesem Zusammenhang auch zwischen „heimatlosen“, „verwilderten“ und „wilden“ Hunden unterscheiden. Ein Hund der mit Menschen aufgewachsen und damit auf den Menschen geprägt ist, reagiert anders als seine Nachkommen, die nie mit Menschen zusammengelebt haben. Dadurch kam es zu Bissvorfällen mit Straßenhunden. Die Angst vor der Übertragung von Krankheit und die Angst gebissen zu werden, haben Menschen dieser Länder veranlasst, mit drastischen Mitteln gegen die Streunerhunde vorzugehen. In der rumänischen Hauptstadt Bukarest wurden Anfang der Neunziger Jahre zum Beispiel die Streunertiere eingefangen und auf grausamster Art und Weise hingerichtet. Allerdings vermehrten sich die überlebenden Tiere weiterhin, 2007 lebten in Bukarest wieder 60.000 Hunde auf der Straße.

Dieses Beispiel zeigt, dass die Tötung keine „Lösung“ des Problems darstellt. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Hundepopulation damit nicht dauerhaft verringert wird. Es findet bestenfalls eine Selektion zu Ungunsten des Menschen statt. Die Hunde reagieren auf Tötungsaktionen einerseits indem sie sich stärker vermehren (höhere Anzahl von Welpen pro Wurf) und anderseits indem sie scheu, teilweise aggressiv werden. „Säuberungsaktionen“, wie aktuell in der Ukraine, anlässlich der EM durchgeführt, führen also zu keinem „Erfolg“, jedenfalls zu keinem nachhaltigen.

Die einzige brauchbare Lösung sind großangelegte Kastrationsprojekte vor Ort in Kombination mit Impfung der Tiere. Projekte vor Ort die den Hunden Unterkunft und Futter gewähren. Nur diese Methode der Geburtenkontrolle schränkt das rasante Wachstum der Tierpopulation ein, da sich unkastrierte Tiere unkontrolliert vermehren. Eine zusätzliche Kombination aus allen notwendigen Impfstoffen vermeidet den Ausbruch von Erkrankungen und ist genauso unerlässlich wie die Behandlung gegen Parasiten. So wird die Gefahr von übertragenen Seuchen gebannt und die unkontrollierte Vermehrung der Straßentiere eingedämmt. Indem man den Tieren Futterplätze und Unterkunft schafft, vermeidet man Aggression gegen den Menschen oder andere Haustiere.

Sind jetzt die Menschen, die Hunde in großangelegten Tötungsaktionen „ermorden“ Barbaren, wie von vielen Tierschützern behauptet wird?

Dazu muss man sich folgendes Szenario vorstellen, man geht mit seinem eigenen Hund Gassi und steht plötzlich einem Rudel von Streunerhunden gegenüber, ist vielleicht versehentlich in deren Territorium eingedrungen, was in einer durchaus blutigen Auseinandersetzung enden kann. Würde das in Deutschland, Österreich oder der Schweiz passieren – würde ein Aufschrei durch alle Medien gehen. Bei uns landen streunende Tiere postwendend in Tierschutzhäusern. Wir haben keine Streuner.

In Italien gibt es Städte, wo die Streunerhunde mit dem Mensch ein passables Zusammenleben gefunden haben, siehe Beispiel Neapel. In Osteuropa scheint es dieses friedliche Zusammenleben nicht zu geben. Da wird immer wieder von Zusammenstößen berichtet. Das erzeugt in der Bevölkerung die Bereitschaft die Tötung 100tausender Hund hinzunehmen. Wir müssen uns fragen ob das bei uns nicht auch so wäre – hätte Wien zum Beispiel 60.000 freilebende Hunde auf der Straße.

Die Hunde sind an der Situation nicht schuld, das ist schon der Mensch, der aus verschiedensten Gründen seinen Vierbeiner vor die Tür setzt. Es ist der Mensch der aus Profitgier Hunde vermehrt und die überzähligen, die sich nicht verkaufen lassen, heimlich entsorgt. Es ist ein soziales Problem – kein Tierisches. Im Tierischen Bereich kann man impfen und kastrieren, man kann Unterkünfte vor Ort mit Spenden unterstützen – aber das Problem lösen wird man damit nicht. Man muss beim Menschen ansetzen und den zu einen Umdenken bewegen.

Manche Tierschützer sehen die Lösung des Problems darin, die heimatlosen Vierbeiner, in andere Länder zu bringen, mit dem Ziel sie zu vermitteln. Ich sehe darin bestenfalls eine Verlagerung des Problems. Was passiert denn, wenn man das tut? Wie läuft das ab? Warum tut man das?

Das Warum lässt sich so beantworten: Im Besten Fall tut man es aus Mitgefühl, also aus der Situation heraus, im weniger guten Fall tut es man weil man selbst geliebt werden will und daher „vordergründig Gutes“ tut und im schlechtesten Fall – aus Profitgier. Der Hund wird im Auslandstierschutz schon zur „Ware“ – er wird gegen eine Schutzgebühr von 200 – 400 € vermittelt. Wird nun dieser „Gewinn“ reinvestiert in den Tierschutz kann man mit diesem Hundehandel leben. Wird das Geld aber abgezweigt um das eigene Leben zu finanzieren, dann sieht die Sache anders aus. Dann sind die Beteiligten nicht besser als die Vermehrer, die teilweise schon für den Tierschutz züchten. Die Hunde werden oft unter grimmigsten Bedingungen mehrere tausend Kilometer transportiert – dagegen ist so mancher Viehtransport in Relation, tierschutzfreundlich. Der gute Zweck heiligt hier die Mittel. Aber tut er das wirklich. Ist es legitim für den guten Zweck, Impfpässe zu fälschen, Tiere auf Transporten sterben zu lassen, Tiere zu importieren ohne genügend passende Pflegestellen zu haben. Bei der Vergabe, die unter Druck stattfindet, die Tiere auch auf wenig geeignete Plätze zu geben, mit dem Risiko dass es dem Tier dort nicht gut geht. Kann es einem Hund zum Beispiel gut gehen wenn eine Pflegestelle bis zu 20 Hunde hat? Ich selbst kenne eine „Pflegestelle“ die im Innenstadtbereich 7 Hunde hält, von denen einige weder gemeldet noch gechipt sind. Die dadurch auch nicht oft Gassi gehen können – das Risiko erwischt zu werden ist groß. Ist das noch Tierschutz? Wie fühlt sich das für den Hund an? Ist so ein Hund nun „glücklich“?

Auslandstierschutz der nur „hereinschleppt“ und mit gefakten Bildern Mitleid heischt im Internet um die Hunde wie lästige Ladenhüter an den Mann zu bringen – das ist für mich kein Tierschutz. Das ist für mich ein Sammelbecken gescheiterter Existenzen die ihre eigenen Defizite am Rücken der Tiere ausleben die sich nicht wehren können. Auslandstierschutz der vor Ort tätig ist – der verdient Respekt, vorausgesetzt er lebt wirklich den Tierschutzgedanken und nicht die Profilierungsneurose. Menschen die vor Ort Tierheime aufbauen, kastrieren, impfen, aufklären – das sind in meinen Augen Tierschützer. Es ist unbequemer vor Ort zu arbeiten – unbestritten.

Was der Tierschutz aber vor allem tun muss, er muss das Denken der Menschen verändern. Tut er das nicht, dann bekämpft er zwar brav die Symptome, aber die Wurzel des Problems bleibt bestehen. Die Wurzel – das ist der Mensch der Lebewesen als Ware oder als Konsumartikel sieht. Der Mensch der Hunde unüberlegt anschafft und dann wieder wegwirft. Der Mensch für den Hunde zu einem Ersatz geworden sind, für Dinge die in seinem Leben fehlen, für den Hundehaltung eine Ersatzhandlung ist. Der Mensch der Hunde vermenschlicht und darüber völlig auf die Bedürfnisse unserer vierbeinigen Freunde vergisst.

Der Tierschutz muss sich immer wieder darauf rückbesinnen was sein Zweck ist: der Schutz der Tiere. Das muss immer im Vordergrund stehen.

Streunerhunde sind eine „Universalie“, etwas das es überall auf der Welt gibt. Jedes Land geht damit anders um. In Indien zum Beispiel sind die meisten Hunde „Streuner“, sie leben mit den Menschen in einem lockeren Verband und ernähren sich von Abfällen und Aas. In Bangkok sind von geschätzten 630.000 Hunden etwa 110.000 herrenlos. In Zimbabwe haben die Hunde zwar Besitzer laufen aber völlig frei. In Südamerika gibt es kein Land wo es keine Straßenhunde gäbe. Egal in welche Weltecke man schaut, überall gibt es den Streuner. In jedem dieser Länder wird dieses „Problem“ in regelmäßigen Zyklen durch Tötung bekämpft. Immer dann, wenn der Straßenhund als Bedrohung empfunden wird. Das passiert gängigerweise, wenn die Population über Hand nimmt und sich damit die Wahrnehmung der Gesellschaft verändert. Die moderne Gesellschaft kann, so wie sie aktuell gestrickt ist, nicht mit vielen freilebenden Hunden zusammenleben. Aber die Strategie diese Hunde dann zu töten, wenn sie wieder einmal auffällig werden – das ist der falsche Weg. Hier muss die Wurzel des Problems angegriffen werden. Der Mensch muss lernen, wie in vielen anderen Dingen auch, sich freiwillig selbst zu beschränken, unterstützt durch vernünftige Gesetzgebung.

Wir müssen aufhören Hunde als „Ware“ zu sehen und wir müssen aufhören sie zu vermenschlichen – beides führt zu Tierleid. Wir müssen wieder lernen den Hund so zu behandeln, wie wir ihn nennen, als unseren besten Freund.

Seien wir uns ehrlich – vermehrt man den besten Freund in Puppymills, schickt man den besten Freund in blutige Kämpfe, setzt man ihn aus oder stopft ihn in Tötungsstationen? Schickt man seinen besten Freund in die Gaskammer oder „erlöst“ ihn mit einer Spritze? Füttert man seinen besten Freund zu Tode oder verwehrt ihm ein artgerechtes Leben indem man ihn am Sofa festklebt oder an die Kette hängt? Würden wir alles mit „Nein“ beantworten. Aber mit Hunden tun wir genau das…

Oft wird die Frage in den Raum gestellt „kann der Hund denken“ – ich würde sagen – ja durchaus – nur nicht so wie der Mensch denkt. Hunde kennen nicht das menschliche Konzept von Dankbarkeit. Ein Straßenhund ist nicht dankbar dafür dass er mit einer Drahtschlinge gefangen, in einen Käfig gestopft und über 1000 Km transportiert wird und dann in einer völlig fremden, für ihn beängstigenden Umgebung dasitzt mit Menschen die er nicht einschätzen kann. Dieser Hund ist vordergründig eines, traumatisiert aufgrund der Handlungen die ihm Menschen zugefügt haben. Soll er wieder Vertrauen fassen, dann muss er in gute Hände und nicht irgendwelche Pratzen die ihn aus Mitleid aufnehmen und dann nicht mit ihm umgehen können. Hunde sind unheimlich anpassungsfähig, aber nur weil sie sich anpassen können, heißt das noch lange nicht dass sie „glücklich“ sind.

Geschrieben von ROSA HACKL

Quelle: http://tierschutznews.ch/blog/1793-streuner-und-tierschutz.html


Europas Dickhäuter

»Weltweites Entsetzen«, titelte ein Nachrichtenportal, »Der spanische König erschießt Elefanten im zukünftigen Mega-Schutzgebiet KaZa«. Entsetzen? Weltweites gar? Weil ein alternder Monarch im fernen Botsuana ein Tier abknallt, dessen Population gängiger Propaganda zufolge mittlerweile immer weniger beherrschbar wird? In der Tat rieben sich die meisten Medien weit mehr an den finanziellen Dimensionen des exotischen Jagdausflugs als an dem damit verbundenen Frevel in Sachen Tierschutz. Wer 44 000 Euro in der afrikanischen Savanne verballert, während Millionen unterm Euro-Rettungsschirm darben, macht sich nicht gerade der Volksnähe verdächtig. Da blieb denn das obligatorische Heben des Tierschutz-Zeigefingers Gruppen wie der Naturschutzorganisation WWF vorbehalten, deren spanischer Sektion der schießfreudige Juan Carlos allen Ernstes als Ehrenpräsident vorsteht.

Inzwischen hat sich der König in aller Form bei seinen Untertanen entschuldigt, was ihm, wie die Madrider Zeitung »El País« betonte, »zur Ehre« gereicht. Ohnehin hat der wackere Weidmann, wie die »Frankfurter Rundschau« völlig richtig bemerkte, »nichts Verbotenes getan«.

Mit letzterer Absolution funktioniert die (Miss)Behandlung von Tieren durch Menschen auch in Europa bestens.

Das betrifft nicht nur den Stierkampf, den der Regent im Palacio Real »aber natürlich« mag, wie er auf die entsprechende Frage eines Journalisten erklärte.

Es betrifft vor allem die rund fünf Milliarden Tiere (ohne Wassertiere), die in der EU jedes Jahr für den Verzehr geschlachtet werden. Darunter sind beispielsweise Hunderte Millionen Schweine - die Elefanten an Intelligenz und sozialem Verhalten nicht nachstehen. Ungezählte von ihnen kommen unbetäubt in Zerstückelungsmaschinen. Nicht etwa aus religiösen Gründen, sondern weil Akkord und Profit immer mehr auf das Tempo der Massentötungen drücken.

Was am Ende dabei herauskommt, sieht nicht nur blutig, sondern mitunter albern-makaber aus. Wie beispielsweise die Wurstscheiben mit Gesicht, die in den Theken der Kaufhallen ausliegen und wohl vor allem kindliche Kunden locken sollen. Der Fotograf Michael Schmidt hat dieses dümmliche Dokument europäischer Schlachthauskultur aufs Bild gebannt. Damit wirbt das Museum Morsbroich in Leverkusen derzeit für Schmidts Ausstellung »Lebensmittel«. Fünf Jahre bereiste der Künstler den Kontinent, lichtete das Werden und Wachsen des Essbaren ab und lotete damit nicht nur die Dimensionen, sondern auch die Perversionen dieser Großproduktionen aus.

Schmidt zeigt, er kommentiert nicht. Die Meinung mag sich der Betrachter bilden - auch von solchen Stätten sogenannter Tierproduktion, die gemeinhin nur Orte des Schreckens genannt werden können. »Wir verurteilen Menschen, die Tieren gegenüber grausam sind, als herzlos«, schreibt die Kulturwissenschaftlerin Hanna Rheinz in ihrem ebenso berührenden wie aufrührenden Buch »Zwischen Streichelzoo und Schlachthof«. »Wenn Reisende derlei in anderen Kulturkreisen sehen, ist die Empörung über diese unkultivierten, primitiven Gebräuche groß. Dabei werden Grausamkeiten ganz anderer Dimensionen mitten unter uns geduldet.«

In der Tat: Die finalen Produkte solcher Grausamkeiten werden ungeachtet frei zugänglicher Informationen von den meisten Menschen nicht als solche wahrgenommen - egal, ob es das geistlose Wurstgesicht im Kühlregal oder das Bœuf Stroganoff im Gourmettempel ist.

Angesichts der Königsschelte postulierte die spanische Regierung, dem Monarchen gebühre doch »tiefer Respekt«. Albert Schweitzer forderte einst ebenfalls Ehrfurcht. Vor dem Leben. Womit er auch das von Elefanten meinte. Und das von Milliarden »Nutztieren«.

Quelle:http://www.neues-deutschland.de/artikel/225285.europas-dickhaeuter.html?action=favorite